Sonntag, 20. Oktober 2013

Anleitung

Heute morgen, auf einer Packung mit Aufschnitt: "Zum Belegen einer Scheibe Brot oder eines halben Brötchens."

Übertriebene Angst vor Regreß? Oder Kapitulation vor der so lang herbeigesehnten Unselbständigkeit der Bürger? Eltern haften für ihre Kinder.

Fitnessfetisch

Bei Walter Moers´ zamonischen Romanen "Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär", "Stadt der träumenden Bücher" und "Der Schrecksenmeister" ist mir eine Gemeinsamkeit der Hauptfiguren aufgefallen: 
Sowohl Blaubär als auch Hildegunst von Mythenmetz und die Kratze Echo durchleben im Verlauf der Handlung eine deutliche Gewichtsabnahme, die sie ihre Abenteuer besser bestehen läßt.

Hat Moers vielleicht einen Fitness-Fetisch? Ist das noch jemandem aufgefallen, der die Bücher kennt?

Geschäftswelt

Man soll nicht die Hand schlagen, die einen füttert. 
Aber man muß auch nicht die Hand füttern, die einen schlägt.

Reichtum


"Reichtum empfindet man, besitzt ihn jedoch nie. Wem das nicht klar wird, der jagt ewig Nichts hinerher."

Henning Hahn

Gedicht: Momente

Momente lang
Glück verspüren

Momente lang
Deine Wärme spüren 

 
König sein, nur einen Moment
ein Punkt in der Zeit

die Spitze des Berges
die Freude im Leid 

 
Momente sind Funken
wenn Kometen fliegen

das, was bleibt,
wenn Ewigkeiten versiegen.


©Weihe 2011

Samstag, 7. September 2013

Datenschutz

Aus einem Intervie der ARD mit Jacob Appelbaum, US-Journalist und Internetakivist gegen Datenmißbrauch:

"Da gibt es zum Beispiel dieses egoistische Argument: Ich habe nichts zu verbergen. Es mag ja sein, dass ich nicht krank oder blind bin. Aber trotzdem will ich in einer Welt mit Krankenhäusern leben und in Straßen, die auch für Blinde zugänglich sind.
Und genauso möchte ich in einer Welt leben, in der jeder seine Privatsphäre hat und dadurch Unbescholtenheit, Vertraulichkeit und Würde im Alltag - ohne jemanden danach fragen zu müssen, ohne einen Herren danach zu bitten. Es könnte nämlich passieren, dass er dir das nicht zugesteht. Dann stellst du fest, dass du nicht frei bist."

Dienstag, 20. August 2013

Rallyesport


Tödlicher Unfall bei der Wartburg-Rallye 2013 in Thüringen. Janina Depping, eine der bekanntesten deutschen Rallye-Pilotinnen, und ihre Beifahrerin Ina Schaarschmidt sind tot. Ihr Fahrzeug kam bei hohem Tempo von der Straße ab, zerschellte an einem Baum und ging in Flammen auf. Das Wrack ihres Mitsubishi Carisma ist kaum noch als Auto erkennbar und mit Schaudern denke ich daran, wie furchtbar die Überreste der beiden jungen Frauen ausgesehen haben mögen. Ich wünsche mir von Herzen, daß die beiden von diesem Unfall nichts mehr mitbekommen haben. Beim Mittagessen hörte ich zu meinem Entsetzen von den angesprochenen Kollegen nur Sprüche wie „Selbst schuld!“ und sogar ein „Zwei verrückte Umweltzerstörer weniger!“.

Manchmal frage ich mich, wie verroht, verblendet und beschränkt Menschen sein können. Oder wollen. Sicher, selbst schuld. Offenbar hat man nur ein Anrecht auf Mitleid, wenn man sein Leben im sicheren heimischen Keller verbracht hat. Wer dagegen seinen Traum von einer sportlichen Karriere ( und keine davon ist absolut ohne Risiko ) verwirklicht, wird im Falle des Ablebens mit Verachtung bestraft. Natürlich, wenn es ein paar prestigeträchtige Titel für Depping und Schaarschmidt gegeben hätte, hätten die gleichen Leute johlend und Deutschlandfahnen schwenkend vor dem Fernseher „Unsere Mädels“ gefeiert.

Sicher, Rallye-Sport ist umweltschädlich, das läßt sich kaum wegdiskutieren. Und ich mag auch nicht die Polemikdebatte anheizen, indem ich frage, wie viele Rallyes ein Schadensäquivalent zu den vielen „zivilen“ Autos auf dem Parkplatz vor dem Bio-Markt darstellen. Aber hier wird auch noch etwas ganz anderes vergessen: Autohersteller und Zulieferer bezahlen nicht so viel Geld für den Rallyesport, weil sie zu viel davon haben. Und auch nicht nur, weil so ein Engagement prestigeträchtig ist. Man könnte das Geld dann ja auch in simple Medienwerbung stecken. Was vielfach nicht beachtet wird, ist die Tatsache, daß der Rallyesport ein unschätzbares Experimentierfeld für jene Entwicklungen ist, deren Existenz wir so gern in unseren eigenen Autos genießen.

Schon Bertha Benz, Ehefrau des Autoerfinders Carl Benz, sorgte mit einer Aufsehen erregenden Langstreckenfahrt nicht nur für Werbung, sondern auch für eine Erprobung der noch jungen Technik. Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert. Keine Computersimulation kann Bauteile dermaßen hart prüfen, wie der Rallyesport mit seriennahen Fahrzeugen. All diese „Verrückten Umweltzerstörer“ haben die Dinge einem Härtetest unterzogen, die unsere Autos sicherer, effezienter und auch umweltfreundlicher machen. Das McPherson-Federbein, Sicherheitslenksäulen, Anschnallgurte, Fahrwerkselektronik, Turbolader, Airbags, Überrollkäfige, deren Existenz wir schon mit bloßem Auge gar nicht mehr wahrnehmen. All diese Errungenschaften wären ohne den harten Freilandtest bis zur Belastungsgrenze, oft auch darüber hinaus, und gelegentlich auch mit tödlichen Folgen, undenkbar. Oder erst in Dekaden zu erwarten.

Wer an seinem privaten Auto den Katalysator ausbaut, die Federbeine sperrt, den Airbag deaktiviert, die Scheibenbremsen gegen Trommeln austauscht, das Sicherheitsglas gegen Fensterglas, die Einzelradaufhängung gegen Starrachsen, oder wer gar ganz auf Autos oder jedes durch Autos entstandene oder beförderte Gut verzichtet, der darf meinetwegen diese harten Worte in den Mund nehmen. Vom Rest würde ich mir wünschen, daß er über den Tellerrand hinausblickt: Daß unsere Fahrzeuge so sicher, zuverlässig und effezient funktionieren, daß nicht noch viel mehr Menschen auf der Straße ihr Leben lassen müssen, das haben wir auch solchen „Verrückten“ wie Depping und Schaarschmidt zu verdanken. Es ist sicher nicht unangemessen, beim nächsten gelungenen Notmanöver einen kurzen Gedanken an sie zu verschwenden. Sie hätten es verdient.